Energiemanagement / Energie-Effizienz

Energie- und Nachhaltigkeitsberatung – So sparen unsere Kunden CO2

Schneider Electric Experte Stefan Klepzig weiß: Energieeffizienz und Klimaschutz gehen Hand in Hand. Wo weniger Strom verbraucht wird, ist klar, wird auch weniger CO2 emittiert. Stefan und sein Team beraten Kunden aus der Industrie dabei, ihren Ausstoß von Kohlendioxid zu senken und damit die weltweit gesetzten Klimaziele zu erfüllen. Im Interview gibt er uns ein paar Einblicke in seinen Bereich und erklärt, warum die Reduktion von CO2 für Unternehmen ein wichtiger Erfolgsfaktor ist. 

Hallo Stefan. Was ist denn deine offizielle Berufsbezeichnung und wie würdest du deinen Job einem Laien beschreiben?

Ich bin Strategic Sales Director Energy and Sustainability Services. Kurz erklärt: Wir unterstützen internationale Großkunden beim Thema Energieeffizienz und Nachhaltigkeit.

Was sind das für Kunden, die effizienter werden wollen?

Das sind ganz klassische Enterprises wie wir, die Automobilbranche oder auch Lebensmittelkonzerne. Vor allem sind es Firmen mit einem internationalen Fußabdruck und mehreren Produktionsstätten weltweit.

Wie sieht denn so ein Auftrag aus? Sagt ein Kunde einfach: „Ich möchte energieeffizienter werden!“?

Wir befinden uns in sogenannten „Energie Management Programmen“, die wir beim Kunden begleiten. Das kann zum Beispiel ein Implementierungsprojekt mit der Dauer von drei Jahren sein. Das heißt, wir werden folgendes gefragt: „Wir müssen unsere Energiekosten oder unseren CO2-Ausstoß um 50 Prozent reduzieren. Und das bis 2020. Wie machen wir das?“ In der Regel heißt das, dass es schnell gehen muss. Oft ist es so, dass man eigentlich 2015 anfangen wollte, dann ist aber nichts passiert und jetzt muss man eben in zwei statt in fünf Jahren das Ziel erreichen.

So funktioniert die Effizienzberatung von Schneider Electric

Als Berater schauen wir, wo man international im Unternehmen hingehen kann, um die größten Einspareffekte aufzuzeigen. Dort bringen wir alle Leute des Kunden zusammen und machen Vorort-Workshops, was in der Regel eine Woche dauert. Zum einen gehen wir die Firmenstruktur durch, aber vor allem identifizieren wir Einsparpotentiale. Die Ergebnisse aus unseren Workshops werden dann mit dem bisherigen Plan des Unternehmens abgeglichen. Es kann ja sein, dass ganz viele gute Ideen da sind, und die Leute das selber schaffen, oder sie übererfüllen das Ziel, oder die Prognose sieht negativ aus und man schafft es angeblich nicht. Wenn letzteres der Fall ist, versuchen wir zu zeigen, wie es doch gehen kann.

Womit kann denn so ein internationales Großunternehmen seinen CO2-Fußabdruck tatsächlich mindern?

Das sind klassische Energieeffizienzmaßnahmen, wie der Einbau besserer Motoren, eine effizientere Gestaltung der Energieversorgung oder das Einsetzen von Brennwertkesseln. So entwickeln wir einen ganzen Maßnahmenkatalog, der dann denjenigen vorgelegt wird, die die Gelder freigeben.

Wenn alles gut läuft, wird ein solcher Plan innerhalb der nächsten zwei Jahre umgesetzt, und damit er auch nicht in Vergessenheit gerät, hören wir da auf, wo wir angefangen haben: Beim Monitoring. Wir von Schneider Electric betreiben dafür eine Software-Plattform, auf der alle Energieverbräuche mitgeschrieben und verfolgt werden können. Damit begleiten wir dann diese Implementierungsphase über beispielsweise drei oder fünf Jahre.

Das sind langwierige und großangelegte Projekte. Wie bezieht man da alle Beteiligten mit ein?

Da kommt das sogenannte „Stakeholder Mapping“ ins Spiel – ein Teil der Leistung, die wir anbieten. Da die Firmen nicht besonders einfach strukturiert sind, sondern meist sehr komplex, gibt es viele verschiedene Beteiligte, die abgeholt, überzeugt, oder informiert werden müssen. Das sind die Stakeholder. Dafür machen wir zunächst ein Assessment, wo die jeweilige Firma beim Thema Nachhaltigkeit oder Effizienz steht. Sehr gut oder sehr schlecht? Noch nie darüber nachgedacht oder schon angefangen, Maßnahmen umzusetzen? Für größere Firmen bieten wir das als Fragebogen an alle Verantwortlichen zum Thema Energie an, der weltweit verschickt und analysiert wird.

Das Ziel ist eine Analyse der jeweiligen Unternehmenskultur, die auch die Frage stellt: „Wie stehen verschiedene Stakeholder zur Energieeffizienz?“. Das macht deswegen Sinn, da Sie, wenn Sie solche Projekte umsetzen wollen, wissen müssen, wo Sie anfangen sollten. Müssen zum Beispiel Bereiche umstrukturiert werden oder neue Stellen geschaffen werden? Das Mapping ist dann das Abbild dieses Fragebogens, das mit dem Kunden durchgegangen wird.

Was ist deine konkrete Rolle bei dieser Beratungsleistung?

Ich bin beteiligt an der Ausarbeitung des Angebots, bei der Überwachung, ob alle besprochenen Maßnahmen auch umgesetzt werden, und halte mit der Management-Ebene Kontakt. So kann ich dann Probleme aus der Welt schaffen, wenn es Blockaden seitens der Mitarbeiter oder Führungskräfte gibt. Letztens ist es erst passiert, da hat sich ein Niederlassungsleiter unseres Kunden nicht so richtig beteiligen wollen. In so einem Fall leiste ich Überzeugungsarbeit, indem ich klarmache, dass die gesetzten Ziele im Interesse seiner Firma sind und nicht etwas, das Schneider Electric ihm grundlos aufs Auge drücken will. Solche Reaktionen kommen aber häufig vor, wenn ein externer Berater ins Haus kommt, das ist nicht nur bei uns so (lacht). Wir suchen da einen kooperativen Ansatz und wollen nicht alles besser wissen, sondern zusammen arbeiten.

Du sagst, viele Unternehmen beschließen ihren CO2-Ausstoß einfach mal um 50 Prozent zu reduzieren. Wie kommen solche Ziele zustande?

Es gibt verschiedene Ansätze und die Unternehmen stehen zwischen ethischer Selbstverpflichtung auf der einen und unternehmerischem Denken und Handeln auf der anderen Seite. Zwei Beispiele: Stellen Sie sich vor, Sie kommen aus dem Consumer-Bereich und verkaufen Produkte direkt an Endkunden, vielleicht im Supermarkt. Das kann Waschmittel sein oder Shampoo, oder was auch immer. Inzwischen ist bei diesen Produkten die Wettbewerbssituation so, dass die Kunden empfindsamer werden für Umweltthemen und es zusätzlich herrscht ein großer Kostendruck. Mit einer verbesserten Energieeffizienz verschafft man seinen Produkten ein besseres Image und kann gleichzeitig auch viel Geld sparen. Das wirkt sich sogar auf die Aktien eines Unternehmens aus. Es hat sich gezeigt, dass Unternehmen, die sich um diese Themen der Nachhaltigkeit und Energieeffizienz kümmern, weitaus erfolgreicher sind als andere, natürlich auch immer hinsichtlich der oben beschriebenen Einflussfaktoren: Ethik und Business!

Zweitens: Es gibt noch den Business-to-Business Bereich, der etwas ganz Anderes ist. In der Automobilindustrie zum Beispiel wird von Zulieferern in der Lieferkette gefordert, gewisse Standards einzuhalten. Mal angenommen, Sie sind Zulieferer eines namhaften Autoherstellers und Sie landen in den Medien, weil herauskommt, dass Sie illegale Kohlegruben in Afrika betreiben! Da werden Sie nicht mehr lange in der Lieferkette gelistet sein. Das ist natürlich ein übertriebenes Beispiel, aber generell wird von größeren Unternehmen Druck aufgebaut, Ihre Lieferkette aus ethischer und ökologischer Perspektive möglichst transparent zu halten. Nicht mal besonders gut, aber besonders transparent. Das gilt für viele Branchen von der Textilindustrie – man denke an die Unfälle in Bangladesch – bis zur Autoindustrie, wie zuletzt der Diesel-Skandal gezeigt hat.

Wie kommt es denn, dass Schneider Electric so eine Beratung anbietet?

Das ist zum einen die Integrität unseres Unternehmens, einen ganzheitlichen Ansatz nach innen zu leben, den man auch nach außen kommuniziert. Wir sagen schließlich, dass wir Spezialist für Energiemanagement sind. Deshalb analysieren wir sehr genau, was den Kunden beschäftigt und überlegen, wie wir ihnen in einem kooperativen Umfeld helfen können, um sich zu entwickeln. Wir sind daher auch sehr engagiert in der Umsetzung der Ziele aus der UN Klimakonferenz in Paris 2015 und des Global Compact Programms und leben das selbst als Unternehmenswert. Das heißt aber auch, dass der Wert unserer Marke sich daran bemisst.

Bergbau in Garzweiler

Auch ein Ziel des Pariser Klimaabkommens: Ausstieg aus der Kohle als Energielieferant

Zum anderen tauchen wir mit diesem Thema sehr weit oben in der Hierarchie des Kunden ein. Wenn wir über die Eigenschaften eines Leistungsschalters sprechen oder wie unsere Softwarelösungen dabei helfen, Prozesse zu verschlanken, da wird nicht der CEO eines internationalen Konzerns beteiligt sein. Wenn wir aber nachweisen können, dass die Lieferkette ein Unternehmen Aufträge kostet, docken wir da an, wo sehr strategische Entscheidungen getroffen werden. Und das trägt letztendlich dazu bei, unsere Partnerschaft mit dem Kunden zu festigen und auszubauen – und von Aufträgen lebt ein Unternehmen.

Wo hast du denn bei Schneider Electric angefangen und wie bist du dann zu deiner jetzigen Position gelangt?

Ich bin vor zehn Jahren zu Schneider Electric gewechselt, weil mir in den Kennenlerngesprächen sehr viel Gestaltungsspielraum geboten wurde und das hat sich bewahrheitet. Ich war zunächst in der Vertriebsleitung im Gebiet der Gebäudeautomation tätig und konnte den Bereich um den strategischen Vertrieb erweitern. Nach einigen Jahren in dieser Position wurden mein damaliger Chef und ich letztendlich gefragt, ob wir uns vorstellen könnten, die Organisation Energy Management Services auszugründen. Das ist jetzt vier oder fünf Jahre her. In die internationale Organisation bin ich dann vor einem Jahr gewechselt.

Abschließende Frage, nachdem wir nun wissen, was du alles managen musst: Hast du Spaß an deinem Job?

Stefan Klepzig

Ja absolut. Ich lerne sehr interessante Kunden kennen und tauche tief in deren unternehmerische Welt ein. Es ist extrem spannend, was die so geschäftlich unternehmen und wie andere Unternehmen ticken. Das mag jetzt ein wenig pathetisch klingen, aber ich glaube tatsächlich, dass ich mit meiner Verantwortung die Welt zu einem besseren Ort machen kann, in dem ich aktiv zur Reduzierung von Treibhausgasen beitrage. Mein Job hat also auch einen ethischen Touch. Und das nicht um die Ecke gedacht, sondern direkt, indem ich Firmen dabei helfe, Firmen weniger CO2 auszustoßen. Ja, das macht Spaß.

 

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