Arbeiten bei Schneider Electric

Big Data – Wie sinnvoll ist das große Datensammeln?

„Wir brauchen smarte Menschen, nicht nur Algorithmen“

Jeder will heute Big Data machen – sinnvoll oder nicht? Andrea Krämer, Leiterin des Segments Commercial Buildings and Districts bei Schneider Electric, erklärt, warum auch bei Daten Klasse statt Masse gefragt sein sollte.

Frau Krämer, wie würden Sie Ihren Job jemandem beschreiben, der keine Ahnung von der Materie hat?

Wir sprechen mit Investoren, die ein kommerzielles Gebäude bauen wollen oder ein ganzes Areal mit Gebäuden und Infrastruktur. In einer sehr frühen Phase der Planung beraten wir den Endkunden dahingehend, was denn so möglich ist. Was ist effizient, was ist sinnvoll und wie sieht das Budget dafür aus? Das ist weniger technikbezogen, sondern eher darauf gemünzt, was der Kunde denn mit dem Gebäude erreichen möchte. Anschließend übersetzen wir diese Businessziele in Technikfunktionen aus allen Gewerken und gehen gemeinsam in die Umsetzung.

Was genau möchte ein Kunde denn mit so einem Gebäude erreichen?

Wenn der Investor es nachher vermieten möchte, zum Beispiel als Bürogebäude, braucht er ein „Green Building“-Zertifikat über die Nachhaltigkeit, um einfacher Mieter zu finden. Soll es vielleicht noch im Luxussegment liegen, ist ein hoher Grad an Automatisierung angebracht, damit es auch mehr Komfort und vielleicht sogar einen gewissen Showeffekt erzielt.

Wenn wir all diese Fragen geklärt haben, beraten wir dazu, wie diese Ziele technisch umsetzbar sind und gehen in die Durchführung. Das Ziel ist immer: Intelligente Gebäude, Areale oder Distrikte, die aber auch wirklich Sinn machen.

 

Relevante Technikbereiche in einem Bürogebäude

Und da kommt Big Data zum Einsatz?

Ja, intelligente Gebäude und Distrikte verfügen heute über große Mengen an Informationen, die digital zur Verfügung stehen: Temperatur liegt bei 21 Grad, Licht ist an, Jalousie ist offen, es bewegen sich Menschen im Raum und so weiter. Je intelligenter und größer so ein Gebäude ist, desto mehr Daten fallen an und man bewegt sich ganz schnell im Bereich Big Data, für Areale und Distrikte gilt das umso mehr.

Big Data ist ja inzwischen ein geflügeltes Wort in der Technikbranche. Was verstehen Sie denn eigentlich darunter?

Big Data ist eine Überschrift für Datenmengen, die so groß sind, dass man sie mit herkömmlichen Mitteln nicht mehr verarbeiten und analysieren kann. Solche Datenmengen treten zum Beispiel auf, wenn mich nicht nur der aktuelle Stand aller Maschinen in einer Fabrik interessiert, sondern auch alle historischen Daten, die davor angefallen sind. Das treibt letztendlich auch das Internet of Things, das Internet der Dinge, voran: Alle möglichen Geräte, vom Stromzähler bis zum Kühlschrank, können heute Daten auf einen Server, also in die Cloud senden. Aber man möchte ja auch etwas mit all diesen Daten anfangen. Und da setzt die Frage Big Data versus Smart Data an.

Sie sagen, Smart Data solle das eigentliche Ziel sein, nicht unbedingt Big Data. Was meinen Sie damit?

Wenn in der Branche über Big Data gesprochen wird, bekommt man schnell den Eindruck, da müsse jeder unbedingt mitmachen. Ganz viele Geräte, noch mehr Daten, alles in die Cloud und dann mal gucken. Bei so einem intelligenten Gebäude können schon mal 25.000 Datenpunkte anfallen. Da sitzen am Ende viele davor und fragen sich: Was folgern wir jetzt eigentlich daraus? Mit anderen Worten: Da ist es schwierig, eine klare Handlungsempfehlung ableiten zu können. Man benötigt intelligente Algorithmen.

Aber welche Daten vergleiche ich mit welchen, um dafür einen Algorithmus aufzusetzen? Big Data klingt ja schön, aber unsere Kunden erwarten von uns Antworten auf ihre Fragen. Da kommt Smart Data ins Spiel. Wir setzen uns mit unseren Kunden zusammen, finden heraus, was ihre Fragestellungen sind und wählen von den 25.000 Datenpunkten diejenigen aus, die tatsächlich relevant sind. Dafür brauchen wir smarte Menschen, die im Dialog mit den Kunden arbeiten, nicht nur Algorithmen.

 

Wie könnte so eine Fragestellung in der Praxis aussehen?

Der Kunde möchte etwa wissen, ob sein erstes Bürogebäude energieeffizienter ist als sein zweites, also stellen wir die relevanten Daten entsprechend zusammen. Am Ende weiß der Kunde, dass sein Gebäude in München effizienter ist als das in Hamburg und er weiß vor allem warum und was er tun muss, um das positiv zu ändern. Dafür braucht man von unseren 25.000 Datenpunkten vielleicht nur einen Prozentbereich. So wird Big Data oder Smart Data auch zu einer ökonomischen Frage. Schließlich kostet es den Kunden auch weniger Geld, wenn er nur einen Bruchteil der Daten in die Cloud schießen muss. So kann Smart Data auch als gesundes Mittelmaß dazu führen, dass der Kunde überhaupt Daten erhebt und auswertet, anstatt es einfach sein zu lassen, weil ihn der Aufwand von Big Data abschreckt. Außerdem ist es zielgerichteter.

Sind solche Ergebnisse denn anschaulich? Oder verschwinden die erzielten Ergebnisse irgendwo im Reporting?

Ein Investor und Kunde von uns in Berlin hat es ganz schlau gemacht. Er wollte ein nach internationalem Standard energieeffizientes Gebäude. Zusätzlich wollte er bei seinen Mietern aber auch einen Lerneffekt erzielen. Jetzt befindet sich in den Seiteneingängen eine automatisierte Benchmark-Slideshow. Jeder Mieter hat eine Farbe, die nur der Mieter selbst kennt, und in der Slideshow sieht er: Aha, im Vergleich mit den anderen Mietern stehe ich auf Platz 3 der sparsamsten Mieter, vielleicht können wir uns ja noch verbessern. Das geht schon in den Bereich Gamification. Eine von uns entwickelte Energie-Monitoring-Software generiert diese Slideshow permanent und vollautomatisch. Als kleines Gimmick zeigt sie auch an, wie oft man beispielsweise mit dem eingesparten CO2 nach New York fliegen könnte, um die Einsparungen für jeden greifbar zu machen.

Analyse anhand unterschiedlicher Parameter

Hat Big Data dennoch eine Daseinsberechtigung, oder läuft etwas in der Industrie grundsätzlich falsch?

Big Data ist Realität und je intelligenter unsere Systeme werden, umso präsenter ist Big Data, da einfach mehr Informationen zusammenfließen. Entscheidend ist, die intelligente und effiziente Aufbereitung und Zusammenstellung dieser Daten. Das geht nur, wenn man seinen Kunden in den absoluten Mittelpunkt rückt und ein tiefgreifendes Verständnis für sein Business und seine Unternehmensprozesse mitbringt, nur dann kann echter Mehrwert generiert werden.

Was glauben Sie, wo wird die Entwicklung in Zukunft hingehen?

Das Internet der Dinge wird bis 2020 etwa 50 Milliarden Anlagen und Geräte vernetzen, und das ist nur eine vorsichtige Schätzung. Tatsächlich ist Schneider Electric in dieser Richtung Vorreiter. Mit unserer Technologieplattform EcoStruxure schaffen wir eine Umgebung, die es ermöglicht, alle technischen Komponenten, egal von welchem Hersteller, miteinander kommunizieren zu lassen. Das ist ein riesiges Potential, um Energieeffizienz global zu schaffen und CO2 zu reduzieren.

Und das muss unsere Generation tun. Wir sind die Ersten, die damit konfrontiert sind und wir müssen es auch lösen, die nachfolgende Generation wäre zu spät dran. Gleichzeitig reduziert es für unsere Kunden die operativen Kosten sowie auch die Kapitalinvestitionen, wenn es smart angegangen wird. Eine Win-Win-Situation.

Zum Abschluss: Macht Ihnen ihr Job Spaß?

Raten Sie mal? (lacht) Ganz im Ernst: Ja! Einfach weil ich mich jeden Tag auf ein neues Projekt und eine neue Zielvorgabe einstellen darf und mir im Anschluss überlegen muss, wie man da die beste Lösung hinbekommt, die auch echten Mehrwert generiert. Das ist schon mehr als einfach nur Technik verkaufen.

 

Steckbrief: Andrea Krämer

Andrea Krämer

Andrea Krämer, Leiterin für Commercial Buildings and Districts, arbeitet seit 2005 bei Schneider Electric. Obwohl in der Medienbranche gestartet, folgte sie als Quereinsteigerin aus der BWL ihrer Passion für Technik und arbeitete schon vor Schneider Electric in der IT-Welt und für ein internationales Startup aus dem Bereich „Smart Home“. Warum sie letzten Endes zu Schneider Electric wechselte? Sie überzeugten die stark ausgeprägten Unternehmenswerte, die Kundenorientierung und die offene, partnerschaftliche und authentische Interaktion mit den Kunden. Um es mit ihren Worten zu sagen: „Das ist kein Blabla, das meine ich Ernst und das weiß auch jeder, der mich kennt.“

 

Ein Antwort to “Big Data – Wie sinnvoll ist das große Datensammeln?”

Hinterlasse eine Antwort

  • (will not be published)