Access to Energy

Schneider Electric Studierendenwettbewerb “Go Green in the City“: Wir haben mit dem Gewinnerteam aus Deutschland gesprochen.

“Palmen statt Diesel – Mit unserer Mini-Windkraftanlage machen wir Bauern unabhängig von fossiler Energie!”

Einfache Lösungen zur Nutzung regenerativer Energie finden, das haben sich die beiden indischen Studenten der FH Aachen, Vivian Silas Jeyachander Manohar und Rini Bharadwaj, mit ihrem Beitrag zum Wettbewerb „Go Green in the City“ von Schneider Electric auf die Fahne geschrieben. Ihre Idee, Windenergie über die Montage von Windkraftanlagen auf Palmen zu nutzen, hat 2016 den ersten Preis im internationalen Wettbewerb gewonnen.

Aus ihrer Heimat Indien kennen Vivian und Rini das Problem, dass Strom in ländlichen Regionen oft nicht uneingeschränkt und flächendeckend verfügbar ist. Für die Landwirtschaft, beispielsweise die Bewässerung von Feldern, sind die Bauern daher auf autarke Stromerzeugung angewiesen – meist erzeugen sie Strom mit Dieselgeneratoren.

Die Idee von Rini und Vivian soll Bauern unabhängig von fossilen Brennstoffen machen. Sie ist simpel und einfach umzusetzen: Der Strom wird durch Windkrafträder erzeugt, die an Palmen befestigt werden. Dieser wird wiederum für die Wasserpumpen der Bauern verwendet und kann in Akkus gespeichert werden. Das macht die Nutzung regenerativer Energiequellen einfach und sicher nutzbar.

Wir haben Rini und Vivian in die Schneider Electric Deutschlandzentrale in Ratingen eingeladen und mit ihnen über ihr Gewinnerprojekt von „Go Green in the City“ gesprochen.

SE: „Glückwunsch zum ersten Platz bei „Go Green in the City“, erzählt uns kurz etwas über euch.“

Rini Bharadwaj: „Ich heiße Rini, komme aus Indien, bin 27 Jahre alt, studiere seit fünf Jahren in Deutschland an der FH Aachen und schließe im Juli 2017 meinen Bachelor of Electrical Engineering ab.“

Vivian Manohar: „Ich bin Vivian, stamme aus Südindien und mache gerade meinen Master in Energy Systems. Rini habe ich an der FH Aachen kennengelernt, zusammen haben wir uns für den ‚Go Green in the City‘ Wettbewerb angemeldet.“

SE: „Was habt ihr vor eurem Studium in Deutschland gemacht und wie seid ihr darauf gekommen, euch beim Wettbewerb anzumelden?“

Vivian: „Vor meinem Masterstudium habe ich in Indien einen Bachelor of Mechanical Engineering abgeschlossen und auch schon ganz normal gearbeitet. Mir ging es darum, herauszufinden, was das richtige für mich ist, deswegen habe ich zuerst ein Praktikum als KFZ Mechaniker gemacht und in Indien Autos repariert. Praktisch arbeiten, mit den eigenen Händen etwas erschaffen, das hat mir gefallen.

Später habe ich in einem „Hospital Innovation Centre“ gearbeitet, hier werden innovative Lösungen für den Healthcare-Sektor erarbeitet. Eins meiner Projekte bestand darin, eine Art ,Zeitung für Blinde‘ zu entwickeln, also eine Blindenschrift, die über eine magnetische Rolle läuft und sich ,Seite für Seite‘ immer wieder neu aus der Rolle aufbaut.“

Rini: „Nach der Schule habe ich erst mal ein Jahr Pause gemacht und bin gereist, in Europa machen das ja viele Absolventen, in Indien ist das absolut unüblich. Mich hat dann ein wissenschaftliches Studium interessiert, aber mit starkem Praxisbezug. Daher bin ich nach Deutschland gegangen, um hier an einer Fachhochschule zu studieren. Vivian und ich haben uns bei der Arbeit am Lehrstuhl kennengelernt und er hat die Ausschreibung für den Wettbewerb gesehen und uns angemeldet.“

Vivian: „Ich komme aus einer ländlichen Region Indiens, für die Menschen hier gehören Stromausfälle zur Tagesordnung und die Stromtrassen sind nicht überall ausgebaut. Ich habe mir schon oft den Kopf darüber zerbrochen, wie man den Zugang zu Energie in abgelegenen Gebiete verbessern könnte. Mir ist im Rahmen der Ausschreibung das ‚Access to Energy‘-Programm von Schneider Electric aufgefallen und ich finde, es passt perfekt zu unserem Konzept, das wir im ‚Go Green in the City‘-Wettbewerb eingereicht haben. Alle Produkte, die wir bei unserem Konzept nutzen, stammen von Schneider Electric und sind auch für die indischen Bauern finanzierbar.“

SE: „Erklärt uns kurz euer Konzept für Go Green in the City.“

Vivian: „Kurz gesagt, wir haben eine kleine ‚Smart Grid‘ Lösung für die autarke Stromerzeugung aus regenerativer Energie erdacht: Mit einer kleinen Windturbine, die am Stamm einer Palme befestigt wird, erzeugt man Strom. Dieser kann über einen Akku gespeichert und dann beispielsweise für den Betrieb von Bewässerungspumpen genutzt werden.“

Rini: „Für die Montage des Windkraftrades nutzen wir eine spezielle Palmenart, die es nur in unseren Breitengraden gibt und die genau die richtige Höhe für den benötigten Wind hat, der mit einer konstanten Stärke weht. Die Palmen werden in ihrem Wachstum nicht beeinträchtig, denn sie transportieren die Nährstoffe und Wasser nicht über die Rinde wie normale Bäume, sondern im Innern des Stamms und sind daher besonders unempfindlich, wenn die Windkraftanlage am Stamm befestigt wird.“

Das Go Green in the City Gewinnerteam: Vivian Silas Jeyachander Manohar und Rini Bharadwaj von der FH Aachen

SE: „Wo liegen die Vorteile zur ‚klassischen‘ Stromerzeugung mit Generatoren?“

Vivian: „Die Bauern sind durch die Erzeugung mit Windkraft unabhängig vom Markt, der Wind weht das ganze Jahr über und Palmen stehen auch überall. Die Investitionskosten sind zwar initial etwas höher als beim Kauf eines Dieselgenerators, haben sich aber nach ca. 10 Jahren amortisiert.“

Rini: „Aktuell müssen viele Bauern, die ihre Felder mit Dieselpumpen bewässern, täglich viele Kilometer zu ihren Pumpen laufen, um sie anzustellen oder Kraftstoff nachzufüllen. Unsere Anlage ist modular aufgebaut und kann sogar mittels Smartphone von jedem Ort der Welt bedient werden. Viele Stunden des Tages können die Farmer somit für andere wichtige Dinge nutzen.“

Vivian: „Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist: Wenn wir auf freier Fläche noch mehr Palmen pflanzen, um die Windkraftanlagen zu etablieren, hebt sich der Grundwasserspiegel und die Luft verbessert sich. Unsere Anlage trägt also auch aktiv zum ökologischen Gleichgewicht bei.“

SE: „Warum setzen sich konventionelle Lösungen der regenerativen Energieerzeugung mittels Solarzellen eurer Meinung nach in diesem Fall nicht durch?“

Rini: „Die Nutzung von Solarenergie kommt für viele Bauern nicht in Frage, einerseits wegen des langfristigen ‚Return of Invests‘ aber auch schlichtweg, weil die Solarpanels sehr empfindlich sind. Sobald die Zellen verstaubt sind, sinkt ihre Leistung erheblich. Oft werden die Solarpanels aber auch gestohlen oder beschädigt. Zudem nehmen sie Platz für wertvolle Anbaufläche weg.“

SE: „Euer Beitrag bei „Go Green in the City“ beweist, dass ihr Visionen habt – wie sehen eure Pläne für die Zukunft aus?“

Rini: „Nach meiner Bachelorarbeit, die ich gerne mit Praxisbezug schreiben möchte, strebe ich ein Masterstudium mit Fokus auf Automation oder Gebäudeautomation in Deutschland an, am liebsten berufsbegleitend. Nach dem Studium bin ich global aber ziemlich flexibel und würde mich gerne in den nächsten fünf Jahren in eine Führungsrolle entwickeln.“

Vivian: „Ich stehe momentan an einem wichtigen Entscheidungspunkt: Werde ich Unternehmer in Indien und verfolge meine Ideen weiter oder entscheide ich mich für eine Karriere als Experte für Energiemanagement? Ich bin noch nicht zu 100 % sicher und schreibe jetzt erst mal meine Masterarbeit zum Thema Business Development im Bereich Energiemanagement für Gebäude.“

SE: „Vielen Dank und viel Erfolg!“

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